Meine Lebensgeschichte
Ich bin Astrid, 57 Jahre alt, und wohne 25 km vor Köln. Man mag es kaum glauben, aber obwohl ich als Junge geboren wurde, hat meine weibliche Seele gesiegt. Durch eine chirurgische Korrektur wurde mein Geschlecht nach 23 Jahren voller Leid in Übereinstimmung mit meiner wahren Identität angepasst.
Damit ist dieser Prozess meiner Geschlechtsangleichung für mich nun abgeschlossen und bezeichne mich selber als "weiblicher Mensch".
Es gibt viele Facetten eines solchen Schicksals, die oft im Verborgenen bleiben, aber es ist keineswegs ansteckend und ich bin ein ganz normaler Mensch.
Ich hatte bereits genug Erfahrungen mit Intoleranz gemacht, doch nach meiner Geschlechtsangleichung wurde ich mit der praktischen Seite dieser Intoleranz konfrontiert. Diese Erfahrungen führten mich in die Welt der nächtlichen Vergnügungen. Die Baccara Bar, die auf der Suche nach einer Unterhaltungsdame war, wurde meine letzte und einzige Anlaufstelle. So öffnete mir die Gesellschaft im Jahr 1993 die Türen zu einer neuen Welt.
Es gibt viele Wege im Leben, und meiner begann auf einem ganz besonderen Pfad, der mich auf Umwegen ins Chez Nous nach Bonn führte. Dort, in einem Cabaret mit Striptease-Programm, erhielt ich die Chance, als Tänzerin zu arbeiten. Ich beobachtete die Tanzschritte der anderen Frauen genau und übte meine eigenen Shows ein. Mit Leidenschaft entwarf ich Kostüme und nach drei Jahren gelang es mir, diesen Ort, der von einem Sadisten betrieben wurde, hinter mir zu lassen.
Von dieser Nacht an erstrahlte der Sternenhimmel heller als je zuvor. Ich, die neueste Künstlerin am Firmament, wurde geboren – ein Star, die als Erotikperformerin mit verschiedenen Künstleragenturen auf Deutschlandtournee ging. Monat für Monat verdiente ich mein Geld mit fesselnden Auftritten und erreichte schließlich die legendäre Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli, wo ich meine Darbietungen in einigen der renommiertesten Cabarets präsentierte.
Der Kiez formte mich, nahm mich an wie ich bin, was die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkt nicht konnte.
Aber irgendwann viel auch für mich einmal der schönste Vorhang, die Scheinwerfer gingen aus, die Shows wahren getanzt und nun konnte ich nur noch Abtanzen.
Ich bereue nichts. Ich war ehrlich, respektvoll und fair . Die Welt, in die ich eintauchte, war hart und brutal, doch der Kiez nahm mich so auf, wie ich war, ohne dass ich mich erklären musste. So wuchs ich in einer Gemeinschaft auf, die zu meiner Familie wurde, die ich vermisse. Ich fühle mich hier nicht heimisch, ich bin am falschen Platz.
Wer jetzt glaubt, dass mein Lebensweg bis heute, hier und jetzt ganz easy gewesen ist, dem kann ich gerne ein exklusives Interview anbieten. Sprechen Sie mich gerne darauf hin an.
Wer zu sich selber finden will, darf andere nicht nach dem Weg fragen.